Die zwei- und dreiachsigen Rekowagen der Deutschen Reichsbahn

Die Entwicklung der 2- und 3-achsigen Rekowagen der Gattungen Bag und Baag

Der erste Serienwagen wurde im Mai 1959 übergeben. Bis Jahresende wurden 137 Wagen abgeliefert. Die Planungen sahen vor, den Bau der Sitzwagen bis 1962 abzuschließen. Bis dahin sollten 3.000 Wagen aufgebaut sein. Die Kapazitäten im RAW Halberstadt ermöglichten aber nur 40 bis 45 Wagen im Monat. Das RAW Wittenberge (Abriss der alten Wagenkästen und Aufarbeitung der Untergestelle) sowie ebenfalls Wittenberge, Gotha und Leipzig (Baugruppenfertigung wie Türen, Übergangsbrücken und Wasserkästen) wurden ab 1960 mit hinzugezogen. Das zweite Umbau-RAW war Schöneweide, wo 1960 die Serienfertigung 3-achsiger Wagen begann. Bis Jahresende wurden in beiden Werken 851 Wagen rekonstruiert. Ende 1961 lief die Rekonstruktion im RAW Schöneweide aus Kapazitätsgründen aus. Die Instandhaltung wurde ebenfalls Ende 1961 vom RAW Halberstadt an das RAW Potsdam übertragen. Mit der Umstellung der Serienproduktion auf Gepäckwagen endete im September 1964 die Sitzwagenfertigung.

Stückzahlen:

Gattung Stückzahl laut Wagensammlung Stückzahl laut
Eisenbahnkurier 05/2007 S.54
Bag 1.609 2.221
Bagtr 212 212
Baag 694 694
Baagtr 89 89
Messwagen 2
Schaltwagen 1
gesamt 2.607 3.215

2-achsige Wagen

Ab 1961 wurden dann auch 2-achsige Spenderwagen rekonstruiert. Im Gegensatz zum DB-Umbauwagen wurde auf den Einbau einer dritten Achse verzichtet, stattdessen wurde das Dach im Mittelbereich verstärkt. Die Blattfedern wiesen 13 Lagen auf.

Bagtr / Baagtr

Zunächst nicht vorgesehen, wurden auf Grund der Betriebserfahrungen Wagen mit Traglastenabteilen gebaut. 1961 wurde dazu ein Probefahrzeug gebaut. Durch Weglassen der Doppelsitzbänke in den Abteilen 1/2 und 5/6 entstanden größere Abstellflächen. Die Kennzeichnung der Wagen für die Reisenden erfolgte durch ein weißes Feld mit der schwarzen Aufschrift „Traglasten“. Die Gattungsbezeichung erhielt den Zusatz „tr“. Die Sitzplätze verringerten sich gegenüber dem Sitzwagen von 48 (Stammwagen 46) auf 32 Plätze.

Betrieb / Bestand

Die erste Wagen kamen zur Rbd Halle (Saale), wo sie im Arbeiterberufsverkehr im Großraum Halle/Leipzig eingesetzt wurden sowie zur Rbd Berlin für den Einsatz auf dem Außenring. Ab Mitte 1962 verfügten alle 8 Rbd-en über Rekowagen.
Die Rekowagen sollten 1983/84 vollständig durch andere Wagen im Betriebsdienst ersetzt werden. Dies gelang jedoch nicht. Anfang 1985 waren noch 45 % (1.450 Wagen) im Bestand, aber keine Wagen mit Kunze-Knorr (Kk) Bremse mehr. Die Auslauf-Bww bzw Heimatbahnhöfe waren:

Rbd Cottbus: Löbau (Sachs)
Rbd Halle: Falkenberg/E., Lu-Wittenberg, Güsten
Rbd Erfurt: Gera, Straußfurt, Meiningen
Rbd Greifswald: Angermünde, Templin, Malchin, Seebad Heringsdorf
Rbd Berlin: Jüterbog, Frankfurt/Oder
Rbd Magdeburg: Salzwedel
Rbd Schwerin: Schwerin

Für besondere Einsatzfälle (z.B. Einsatz mit 105/106) erwog man 1985 50 gut erhaltene Wagen mit Ofenheizung auszurüsten.
Das neue Einsatzende war für 1988 vorgesehen. Die letzten Einsätze gab es 1990, so auf Usedom wo hier die Ablösung durch Bghw erfolgte. Die letzten Wagen wurden am 30.12.1990 ausgemustert.

Wagennummern:

Gattung Nummerngruppen Bemerkungen alte Nummern
Bag 50 50 23-24 000 bis 999 352-xxx bis 355-xxx
50 50 23-25 000 bis 311
Bage 50 50 23-11 000 bis 580 352-xxx, 354-xxx und 355-xxx
50 50 23-15 000 bis 318
Bagtr 50 50 23-25 320 bis 474 357-xxx
50 50 23-25 475 und 476 elektrische Heizung stillgelegt
Bagtre 50 50 23-15 320 bis 374 357-xxx
Bag(tr)e 50 50 23-25 375 und 404 elektrische Heizung nachgerüstet unterschiedlich
Baag 50 50 24-25 000 bis 500 358-xxx
Baage 50 50 24-15 000 bis 199 358-xxx
Baagtr 50 50 24-25 510 bis 562 357-xxx
Baagtre 50 50 24-15 200 bis 235 357-xxx
Baag(tr)e 50 50 24-15 236 und 283 elektrische Heizung nachgerüstet unterschiedlich

Technik

Fahrwerk

Die Nutzungsdauer der Untergestelle wurde auf 20 Jahre festgelegt.
Die Wagen besaßen Gleitlager, nur einige wurden später auf Rollenlager umgerüstet. Diese waren an den stärker nach außen gewölbten Lagerdeckeln zu erkennen. Die Mittelachse der 3-achser blieb immer ein Gleitlager. Zur Heißläufervermeidung wurde eine Zeitschmierung im 7-Tage-Rhythmus eingeführt.
Die Federn wurden bei den Endachsen auf 10 Lagen vereinheitlicht, die Mittelachse hatte 9 Federlagen.
Spürbarer Mangel war der besonders bei höheren Geschwindigkeiten unruhige Lauf der Wagen. Bis zu 70 km/h war noch Reisezugwagenniveau gegeben, bei höheren Geschwindigkeiten bis V/max 90 km/h wurden die Wagen unruhiger verbunden mit lauten Fahr- und Nebengeräuschen. Bei Anlehnen hatte man die eiserne Haltestande im Genick, deshalb erhielten die Wagen auch die Bezeichnung „Genickschußwagen“.

Bremsanlage

Es wurden die alten Knorr- bzw. Westinghouse- Bremsen der Spenderwagen übernommen. Die Handbremse befand sich am WC-Ende im Vorraum.

Heizung

Von Anfang an wurde nur ein Teil der Wagen mit einer elektrischen Zugheizung ausgerüstet. Dies erfolgte bis 1961 durch die Umbauwerke, ab 1962 durch das RAW Schöneweide. Bis 1965 besaß nur ein viertel der Wagen eine E-Heizung. Zwischen 1968 und 1971 wurden einige Nachrüstungen notwendig. Dies betraf 84 Sitz-/und Traglastenwagen.

Beleuchtung

Durch den anfänglichen Mangel an Kleinteilen, speziell Kohlereglern fehlten diese bei einigen Wagen der Umbaujahre 1959/61. Diese Wagen wurden als „B-Wagen“ bezeichnet. Sie waren nur im Pärchenbetrieb mit einem „A-Wagen“ geeignet, welche an den Stirnseiten Steckdosen für den Anschluss der B-Wagen verfügten. Somit konnten die B-Wagen mit 1/2 Beleuchtung betrieben werden. Die Stückzahlen waren folgende:

Umbaujahr Stückzahl der A-Wagen Stückzahl der B-Wagen
1959 92 32
1960 203 164
1961 242 137
1962 441 -

Ab 1962 erhielten alle Wagen die vollständige Ausrüstung, ab 1963 entfielen die Steckdosen bei Neulieferungen endgültig.

Türen

Problematisch waren die breiten Stahlschiebetüren mit Stangenschlössern. Die Schließhaken wurden überbeansprucht, so dass beim Beschleunigen und Bremsen die Türen teilweise aufgingen. 1962/63 entwickelte und erprobte man deshalb Türen aus Aluminium mit aufgeklebten Alu-Blechen. Statt der Stangenschlösser wurden Schließeinrichtungen der „Bauart Kieckert“ verwendet. Im November erfolgte die Umstellung in der Serienproduktion auf die neuen Türen, bei Bestandswagen wurden diese bei fälligen HU getauscht.

Stammwagen

Um Gepäckwagen einzusparen, wurden Mitte der 60-er Jahre Sitzwagen durch Einbau eines Arbeitstisches für das Zugbegleitpersonal so genannte Stammwagen geschaffen. Dafür entfiel eine Ecksitzbank. Diese Wagen waren äußerlich durch ein großes rotes eingekreistes „F“ (für Feuerlöscher) an den Türscheiben bzw der Scheibe am „Dienstabteil“ zu erkennen.
Damals gab es sonst nur in den Packwagen Feuerlöscher, erst später wurden die Sitzwagen damit nachgerüstet. Der Bestand an „Stammwagen betrug Anfang 1968 120 Wagen.

Wendezugeinsatz

Einen kurzen Einsatz gab es in den 60-er Jahren im indirekten Wendezugbetrieb mit Dampfloks im Großraum Halle (Saale). Dazu erhielten sieben Wagen (358-201 sowie 358 274 bis 279) die notwendigen Steuerkabel. Als Befehlswagen wurde ein Leichtbau 4-achser Bj. 1952 verwendet.

Farbgebung

Außen

Aufbau: Dunkelgrün
Dach: Grau
Fahrwerk: Schwarz

Innen

Abteilschiebetüren, Holz im Vorraum, Fensterrahmen: rosenholzfarben gebeizt und mit Klarlack lackiert
Decken, WC Wände: elfenbein
Sitzbezüge: Kunstleder grün
Fußboden: Linoleum braun

erhaltene Wagen

Wagennummer Gat-
tung
Um-
bau
Abnahme-
Bww
Ausmuster-
ungs-Bww
Verbleib Revisions-
datum
50 50 23-11 025-5
ex 352-227
Bage Dampflokfreunde Berlin e.V. (11/2008) Unt RBG 04.04.08
50 50 23-11 295-4 Bage Eisenbahnfreunde Belzig (06/2003)
50 50 23-11 318-4
ex 355-482
Bage K.-M.-St. Hbf K.-M.-St. Hbf VSE Schwarzenberg (09/2005) Rev Pts 30.9.87
Verl. b. 30.3.91
50 50 23-15 022-8
ex 353-488
Bage Vogtländischer Eisenbahnverein Adorf
50 50 23-15 035-0
ex 353-511
Bage VSE Schwarzenberg
50 50 23-15 062-4
ex 352-538
Bage Vogtländischer Eisenbahnverein Adorf
50 50 23-15 201-8 Bage Luckau (2010), nur Wagenkasten ohne Laufwerk
50 50 23-15 389-1 Bage Ilmenau (07/2009)
50 50 23-24 159-7 Bag Straußfurt Erfurt DB Regio Dresden, ++ 20xx
50 50 23-24 179-5
ex 352-625
Bag Eisenbahnfreunde Belzig
50 50 23-24 474-0
ex 352-920
Bag Eisenbahnfreunde Belzig
50 50 23-24 618-2
ex 352-366
Bag Hlb
1960
Berliner Eisenbahnfreunde e.V.,
Wagen 30
50 50 23-24 653-9 Bag ehem. Lokleitung TES Horka Gbf (12/2009)
50 50 23-24 656-2
ex 353-306
Bag Vogtländischer Eisenbahnverein Adorf
50 50 23-24 684-4
ex 353-336
Bag Eisenbahnfreunde Belzig
50 50 23-24 701-6 Bag Kohlebahn Haselbach e.V. (04/2005) Rev Pts
50 50 23-24 799-4 Bag Templin Neustrelitz DB Regio Berlin-Lichtenberg (06/2009) Rev Pts 31.3.85
50 50 23-24 831-1
ex 353-431
Bag Hlb
1961
Güsten Museum Gramzow
50 50 23-25 027-5 Bag Templin Neustrelitz Eisenbahnfreunde Belzig
50 50 23-25 380-8
ex 357-313
Bagtr Eisenbahnmuseum Bochum-Dahlhausen Rev Pts 10.9.85
50 50 24-15 125-8 Baage Dampflokfreunde Berlin e.V. (11/2008) Unt WWX 20.03.01
50 50 24-15 137-3
ex 358-832
Baage Vogtländischer Eisenbahnverein Adorf
50 50 24-15 141-5 Baage Luckau (2010), nur Wagenkasten ohne Laufwerk
50 50 24-25 370-8 Baag K.-M.-St. Hbf K.-M.-St. Kbw Dresden-Pieschen, ++ 2005 Rev Pts 9.8.82
50 50 24-25 372-4
ex 358-652
Baag Traditionsbetriebswerk Staßfurt REV 21.09.05
50 50 24-25 374-0 Baag Museumseisenbahn Hanau (12/2009) Rev Pts

Bildergalerie

dreiachsige Sitzwagen zweiachsige Sitzwagen
50 50 23-11 000 -
50 50 23-11 580
50 50 23-15 000 -
50 50 23-15 404
50 50 23-24 000 -
50 50 23-24 999
50 50 23-25 000 -
50 50 23-25 476
50 50 24-15 000 -
50 50 24-15 283
50 50 24-25 000 -
50 50 24-25 562

Diese Aufstellung ist ein Service vom Lokschuppen Zinnowitz e.V.